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   Angelika Guest  - Václav R. Zidek:  Die Geschichte des Karnevals
Alljährlich, pünktlich am 11.11. um 11.11 Uhr beginnt mit dem „Hoppeditz-Erwachen“ für viele große und kleine Närrinnen und Narralesen die wohl schönste und ausgelassenste Zeit, die je nach Region als Fasching, Fastnacht oder Karneval gefeiert wird.
Überschäumende Lebensfreude, Narretei und Fröhlichkeit kennzeichnen die „Fünfte Jahreszeit“, die ihren Höhepunkt am Rosenmontag findet. Eingeleitet werden diese „tollen Tage“ am Altweiber-Donnerstag mit der Bestürmung des Rathauses. Frauen geraten an diesem Tag außer Rand und Band und wollen die Macht übernehmen.
Bis zum Veilchen-Dienstag herrscht dann ein vergnügtes und lustiges „Narrenvölkchen“, mit prächtigen, farbenfrohen Kostümen und phantasievoller Maskerade über die „verkehrte“ Welt. Unterschiedlichste Rituale und Gebräuche werden in dieser Zeit praktiziert, die je nach Landstrich anders geartet sind. Allen gemeinsam ist aber das Übermaß an Lebenslust. Vielerorts tanzen, singen und springen fröhliche Menschen durch die Straßen. Sie lachen, scherzen, jubeln und tragen ihre Daseinsfreude und ihre überschwängliche Heiterkeit von Haus zu Haus.
Doch nur die wenigsten unter ihnen kennen die Wurzeln des Karnevals, die kultischen Quellen aus denen dieser Brauchtum entstanden ist und seine prägenden Entwicklungsstufen im Wandel der Zeiten.
Umso mehr freue ich mich, an dieser Stelle eine Künstlerin vorstellen zu dürfen, der es gelungen ist in sehr beeindruckender Weise die 5000jährige Geschichte des „Karnevals“ aufzuzeigen. In einem 11 Gemälde umfassendes Werk lässt die Grafikerin und Malerin Angelika Guest den Betrachter in die faszinierende Welt unserer Vorfahren eintauchen, die von Kultritualen, alten Sitten und Gebräuche geprägt war.
Die Gemälde schlagen von den mythologischen Ursprüngen aus historischen Zeiten eine Brücke ins technische Zeitalter unserer Gegenwart. Sie zeigen nicht nur die Entwicklungsgeschichte des närrischen Treibens sondern verdeutlichen auch die sich dahinter verbergenden menschlichen Ängste, aber auch den hoffnungsvollen Menschen der seinen unerschütterlichen Glauben an die Allmacht des Himmels und der Natur und seine ihm innewohnende Urlust am Leben nie verloren hat. Der Mensch rückt hier in den Mittelpunkt, während das politische Zeitgeschehen in den Hintergrund tritt.
Ich wünsche allen Leser Innen viel Vergnügen beim Betrachten dieser einzigartigen Gemälde.
Vaclav Zidek
Die Geschichte des Karnevals
Angelika Guest
 
Für die Gestaltungstechnik dieser 11 Gemälde wurde u. a., als bildhaften Bedeutungsträger, auch die Symbolsprache verwandt. Sie gestattet dem Betrachter sich richtig ins Bild setzen zu können. Die Gemälde schaffen daher in ihrer Komplexität einen direkten Zugriff auf die inhaltlichen Aussagen.
Ausführliche Bildbeschreibungen zu jedem Gemälde liegen vor. An dieser Stelle wurde jedoch nur eine kurze Zusammenfassung wiedergegeben.
Bei allen Gemälden wurde die Technik der Ölmalerei auf Holz angewandt.
Die jeweiligen Bildabmessungen betragen 80 cm x 60 cm.
  „Die Urgeschichte“

Im ersten Gemälde werden die mythologischen Ursprünge
des Karnevals zusammenfassend abgebildet. Die Darstellung der Urgeschichte wurde aus den mythologischen Erzählungen abgeleitet. Es wurden neben den alten ägyptischen Ritualen
und Gebräuchen die antiken Kulthandlungen des Zweistromlandes sowie die alten persischen und jüdischen Feierlichkeiten aufgezeigt.

  „Die klassische Welt“

Hier werden die hellenischen und römischen Feierlichkeiten veranschaulicht. Die Kultrituale, Sitten und Gebräuche entwickelten sich aus der Naturverehrung.

  „Die Germanen“

In diesem Gemälde werden die Kulthandlungen der Kelten,
bzw. die der Germanen aufgezeigt. Aus der Verehrung keltischer und gallischer Götter und die sie umgebenen
Mythen entstanden viele heidnische Praktiken die weit
verbreitet waren.

  „Die Christianisierung“

Auf diesem Gemälde wird die sich wandelnde Haltung gegenüber dem heidnischen Götterglauben dargestellt. Christliche Wertvorstellungen sollten zunehmend die alten Sitten, Riten und Gebräuche überlagern.
Die Verdrängung der alten Götterreligionen wurde angestrebt.

  „Der Kampf“

Das Gemälde zeigt den Kampf der Christen gegen die antike Götterwelt. Ein unerbittlicher Feldzug gegen die noch immer existierenden heidnischen Kultrituale wurde begonnen; aber trotz massiver Verfolgung der Kulttraditionen durch
die Christen konnten die tiefwurzelnden heidnischen
Praktiken nicht völlig ausgemerzt werden.

  „Die Annäherung“
Das Gemälde zeigt die Bemühungen der Stadt- und Kirchenväter, sich den noch immer nicht auszumerzenden Frühlingsfesten zu nähern.
  „Das fastnachtliche Mittelalter“
Es wurden christliche Interpretationen für die heidnischen Rituale erdacht. Unter dem Schutz der Heiligen
BEFANIA finden nunmehr die fastnachtlichen Freuden statt.
 
„Die Wandlung“
Das Gemälde weist auf die fastnachtliche Sinneslust
in Klöstern und Stiften hin. Eine neue Lebenslust wird von
der Commedia dell’arte verbreitet.
  „Der Neubeginn“
Eine neue fastnachtliche Ära beginnt mit dem Einmarsch
der Franzosen in Köln. Das Gemälde zeigt Held „Karneval“
und die in Mode gekommenen Haus- und Maskenbälle.
  „Das neuzeitliche Treiben“
Dieses Gemälde stellt die unter Kriegseinflüssen geminderte aber nun wieder neu aufkeimende Lust sich in
der Karnevalszeit zu vergnügen. Der Straßenkarneval wurde wieder neu belebt.
   „Der moderne Karneval“
In diesem Gemälde wird der heutige Karneval
in der Domstadt Köln dargestellt.

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form ohne schriftliche Genehmigung der Künstlerin reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

  Bilder © Angelika Guest, http://www.pozitivni-noviny.cz/angelikaguest.html
   Text © Angelika Guest, Vaclav R. Zidek, 5.11.2006
   Übersetzer: Ctirad Panek