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- Oh, du
Sohn des Geistes,
- ich
habe dich reich erschaffen.
- Wieso
bist du arm?
-
- Ich
habe dich machtvoll gemacht.
- Wieso
bist du schwach?
-
- Ich
ließ dich auferstehen
- Aus
eigener Substanz von Liebe und Weisheit.
- Wieso
beschäftigst du dich mit etwas anderem?
-
- Wende
dein Blick auf dich,
- damit
du mich sehen kannst:
-
machtvoll
-
stark
-
erhaben
-
- /
Weisheit der Hindus/
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Ich verlasse die Galerie „Wege zum
Licht“ und bin den Tränen nah. Das kleine Kind in mir strebt sich dagegen,
dass es eine stärkere Hand an Handgelenk wegzerrt und eine tadelnde
Stimme es zum Verlassen eines Ortes mahnt, welches es gerade so stark
interessiert hat, dass die Zeit stehen geblieben ist.
Als ob sie mir schöne Spielzeuge aus der
Hand genommen hätten und mich mit Gewalt wegzerren wollten. Nein, nein,
ich will nicht –schreie ich. Aber mein erwachsener Verstand führt mich
Schritt für Schritt in Richtung Metro. Die Galerie bleibt weit, weit
zurück und viele frische Eindrücke versuchen meine Aufmerksamkeit zu
erobern.
Gegenüber dem Mann, der das einmalige
Projekt der Galerie „Wege zum Licht“ geschaffen hat – Herrn
Zdenek Hajny
– fühle ich mich ein wenig unsicher. Nach allen den vorangegangenen
Telefongesprächen, vollen gegenseitigen Enthusiasmus über die kommende
Reportage hat sich die Spannung der Erwartung irgendwohin verflüchtigt.
Ich stehe alleine in der Mitte der Ausstellungshalle, in der mich Herr
Hajny nach kurzer Begrüßung hat stehen lassen, um mir die Gelegenheit
zur Verarbeitung der ersten Eindrücke zu ermöglichen. Und diese waren
sehr stark.
Die ausgestellten Bilder werden unter der
Wirkung von zahlreichen Lichtquellen zu lebendigen Organismen. Sie
strecken ihre imaginären Arme nach mir, um mich in sich hineinzuziehen,
in ihre eigene Unendlichkeit. Und ich will mich ergeben und bleiben,
ungeachtet der Verpflichtungen, die ich noch gegenüber der jetzigen Welt
habe.
Die Vorbereitungen für das erste Konzert des berühmten österreichischen
Geigenvirtuosen und Komponisten
Toni Stricker
in Prag laufen auf volle Touren und Herr Hajny muss sich ständig
entschuldigen, um wichtige Telefonate zu führen und andere Gäste zu
empfangen. Entschuldigungen sind aber nicht notwendig, die Direktorin der
Galerie Frau Emma Krulik kennt sehr viel, zum Beispiel wie die Idee für
dieses grandiose Konzert entstanden ist:
„Früher
kannten wir Herrn Toni Stricker überhaupt nicht. Es gibt aber eine
tschechische Bürgervereinigung mit dem Namen SPECTRUM, welches die Metropolen
Berlin, Prag und Wien verbindet und sich als Ziel die Vertiefung des
Verständnisses zwischen diesen Ländern gesetzt hat. Während einem der Konzerte
entstand die Idee eine Vorstellungt von Toni Stricker auch in Prag und in
Berlin zu veranstalten. Und weil die zweite Vorsitzende von SPEKTRUM, eine
Tschechin, die Bilder und die Videoprojektionen von Hajny kennt, war sie der
Meinung, dass man beides hervorragend verbinden könnte. Die anderen
charakterisieren nämlich die Musik von Toni Stricker als die Farben des Feuers
und die Töne der Erde, was in dieser Beziehung eng miteinander verbunden ist.
Der Erlös der Veranstaltung sollte Kindern und Tieren zugute kommen.“
Man könnte
eine ganze Weile über die Aspekte der Vorbereitungen des Konzerts reden.
Man müsste nur die Prioritäten setzen – was soll jetzt und was später
passieren, weil sich in der Villa auch die Zeit ganz anders verhält.
Zdenek Hajny hat aber eine optimale
Lösung des Problems:
„Sie sagen ganz richtig, dass unser
heutiges Treffen sollte die Vorbereitung des Konzerts hervorheben und ich
würde es gerne ganz bei Ihnen lassen: Die Eindrücke aus der Galerie.“
Videoprojektion von Bildern in
Kombination mit Fotografien des Weltraumteleskops .... ich bin neugierig
und Zdenek Hajny weiß es. Er offeriert mir Besichtigung und entführt
mich in sein einmaliges Kristallteehaus – in ein Zimmer voll mit
magischen, astralen Bilder, Riesenkristallen, mystischer Musik mit Texten
von Miroslav Moravec und Tania Fischer sowie therapeutischen Düften. Ich
denke nicht nach, was ich wählen soll. Mein lebendigeres Ich hebt ohne
Proteste mein müdes Ich von der bequemen Couch und ich folge mit
Vertrauen seinen Schritten in die oberste Etage. Es ist Nachmittag und um
uns zuviel Licht und zu viele weiße Wände. Das Licht in uns braucht, um
zu erscheinen Dämmerung, Zwielicht, Dunkelheit. Ich fange an zu begreifen
warum Mystiker dunkle Verließe aufsuchen, um ihr inneres Licht zu sehen
und warum sie bedauern, dass die tiefe Nacht noch weit entfernt ist. Ich
komme ganz nah zur Projektionswand und verinnerliche ganz konzentriert
die Visionen der sich ständig ändernder Bilder, welche in dem ewigen
„Perpetuum mobile“ weit, sehr weit entstehen – dort, wo das Universum
endet und die ewige LIEBE anfängt. Etwas in mir befiehlt vor diesem
lebendigen Altar in Demut zu knien und die Hände zu einem Gebet ohne
Worte zu falten, zu einem Gebet ohne Gedanken, zu einem Gebet der tiefen
Stille....
Eine Gruppe junger Menschen – Studenten
betritt das Kristallteehaus. Sie schauen um sich, betrachten die Wände
mit Bildern und sprechen miteinander nur leise, mit viel Rücksicht und
recht selten. Ich betrachte diese schöne junge Menschen, gedenke aller
jungen Dichter und einigen anderen, mit deren ich in der letzten Zeit
Kontakt hatte und höre langsam auf mich zu fürchten. Denn mit diesen
Kindern, in deren Brust ein lebendiges, mitfühlendes und sensibles Herz
schlägt hat auch die heutige Welt eine Chance zu überleben.
Und
wir sind uns mit Herrn Hajny wieder mal einig:
„Das ist eine große Hoffnung. Wir
sehen hier sehr oft junge Menschen. Sie kommen, bleiben und kommen
zurück. Und dabei werden sie zu nichts gezwungen, sie erhalten nur ein
Angebot. Sie sind sensibel und besitzen Gefühl für Gerechtigkeit –
ungeachtet der aktionistischen Wahrnehmungen und der Horrorfilme, die
auf sie ständig einwirken. In den ersten fünf Minuten fürchten sie sich
zwar ein wenig, wissen nicht wo sie gelandet sind, deren Augen schweifen
herum und können nirgendwo festmachen, sie warten auf irgendwelche
Aufregung – vielleicht woher kommt der Superman (wir lachen und fühlen
uns gut) ...... aber so was gibt es hier natürlich nicht. Danach werden
sie umgepolt auf das, was hier ist und fangen an sich herrlich gut zu
fühlen. Hoffnung für die Zukunft. Ich glaube daran – und dies ist keine
religiöse, sondern eine ethische Frage – dass der Pendel schon zu sehr
weit ausgeschlagen und die Zeit für eine Änderung reif ist. Es wird sich
ändern, ungeachtet aller der um uns zu beobachtenden Übergriffe. Es gibt
eine Redensart: Auch wenn das ganze Universum zusammenbrechen sollte, der
Mensch sollte nicht zusammenbrechen.“
Ein interessanter Nachmittag, voll mit
Emotionen, geht zu Ende. Aber jeder ausgesprochener Gedanke weckt die
Lust zu weiteren Fragen und Überlegungen. Ich lasse den wunderbaren Tee
mit seiner Kombination von grünen Blättern, Ananas und Pfeffer stehen,
obwohl er meine Geschmacksinne beglückt hat wie schon keiner davor.
Verabschiede mich mit dem Rest seines Geschmacks auf dem Gaumen und
seinem Aroma in der Nase und weiß, dass ich für eine andere Tasse
zurückkommen werde – sobald es die Umstände erlauben. Diese Galerie
besitzt etwas ganz besonderes – die Tiefe. Sie verdreht ihnen den Kopf
schon beim ersten Blick. Ich weiß es, auch ich habe diesen Blick gewagt.
Inzwischen kenne ich den Grund meiner
Verlegenheit beim ersten Händedruck und ersten Blick in seine Augen. Ich
bin Schütze, ein Feuerzeichen. Zdenek Hajny ist Wassermann. Sein Wasser
löscht mein Feuer nicht, es beruhigt ihn nur. Wasser aus der Tiefe, die
auch er besitzt. Wie sonst wäre er in der Lage sie zu verwirklichen? Es
bleibt mir übrig noch ein Blick hinein. Und deswegen werde ich
zurückkommen.
Für eine nette Einladung dankt mit
Hochachtung Jarmila Moos.
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text © Jarmila Moos, 16.6.2006
www.cestykesvetlu.cz
Übersetzer:
Ctirad Panek
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